Herstellung ..Vom Baum ins Fass
 

Die (Touristen)saison ist vorbei. Die Dörfer sind verlassen, die Strandpromenaden wieder zu schmalen Uferstraßen geworden. Dann, Anfang November, beginnt die "große Schlacht", wie die Griechen in der Mani die Olivenernte nennen. Da blinken zwischen den Bäumen dreibeinige Leitern hervor - auch sie meist im obligatorischen hellblau gestrichen, da rascheln die großen Planen, die unter den Bäumen ausgebreitet die kleine Frucht auffangen, die hier so viel bedeutet.

Olivenernte ist Handarbeit - die Topographie der Mani läßt den Einsatz größerer Erntemaschinen nicht zu. Mit grobzahnigen Rechen werden die Oliven von den Ästen gestreift, in Jutesäcke verpackt und zu den bereitstehenden Gefährten geschleppt. Jeder arbeitet mit, die Großfamilien treten geschlossen an, vom Kindergarten- bis ins Greisenalter, alle helfen zusammen. Wer zur Erntezeit einen festen Beruf ausübt, erscheint nach Dienstschluß - einen Feierabend gibt es nicht. Selbst Mitternacht heißt noch nicht "Gute Nacht". Denn die Ölmühlen pressen, wenn es sein muß, zwanzig Stunden am Tag.

Möglichst sofort, am besten noch am Tag der Ernte, will man die Oliven verarbeiten. Sie werden gewaschen und traditionell oft noch von großen Granitsteinrädern zu einem Brei zermahlen, aus dem das Öl schließlich herausgepreßt wird. In einem letzten Arbeitsvorgang wird das Öl von seinem natürlichen Wasseranteil mittels einer Zentrifuge getrennt, aus der es schließlich goldgrün ins Faß läuft und sich extra nativ (bzw. extra vergine) nennen darf.


Vorsicht: Direkt vom Baum in den Mund schmeckt die Olive grauenhaft bitter (die im reifen Zustand je nach Sorte grünen oder schwarzen Eßoliven müssen vor dem Verzehr erst eingeschnitten und dann mehrere Wochen im in Salzwasser gewässert werden, um sie von den Bitterstoffen zu befreien).

In weit größerem Umfang wird in der Mani die Ölolive (Koroneiki) kultiviert, die zwar kleiner, aber ölhaltiger ist, und für den Laien von der größeren Eßolive kaum zu unterscheiden ist.